Das Verkehrschaos auf der Umgehungsstraße N-332 durch Torrevieja erreicht kritische Ausmaße. An Hochsommertagen sind täglich durchschnittlich 55,000 Fahrzeuge auf der Straße unterwegs. Das längst überfällige Verbreiterungsprojekt der Straße steckt trotz grünem Licht aus Umweltgründen in der bürokratischen Schwebe, während die Staus außer Kontrolle geraten.
Laut Angaben des spanischen Verkehrsministeriums verkehren in diesem vier Kilometer langen Engpass, insbesondere zwischen den Kreuzungen CV-905 und CV-95 in der Nähe des Krankenhauses von Torrevieja, mittlerweile durchschnittlich fast 43,000 Fahrzeuge pro Tag. Im Juli und August steigt der Verkehr jedoch regelmäßig auf über 52,000 Fahrzeuge, donnerstags und freitags sogar auf 55,000. Das stellt einen neuen Rekord dar und bringt das Straßennetz an seine Grenzen.
Chronische Verstopfung ohne Linderung in Sicht
Die Umgehungsstraße N-332 bei Torrevieja, die vor Jahrzehnten für einen geringeren Verkehr konzipiert wurde, ist der aktuellen Nachfrage völlig unzureichend. Der Verkehrsüberwachungspunkt bei Kilometer 53 in der Nähe von „la altura de Ferrís“ zeigt, dass die Straße zu 97 % mit leichten Fahrzeugen und knapp 3 % mit schweren Fahrzeugen befahren ist. Ausländisch zugelassene Fahrzeuge machen weniger als 7 % aus – ein überraschend niedriger Wert angesichts der Beliebtheit der Gegend bei internationalen Touristen und Auswanderern.
Im Sommer ist die Stausituation am schlimmsten, aber selbst in den Nebensaisonmonaten Dezember, Januar und Februar liegt die tägliche Fahrzeugzahl bei etwa 35,000.
Während die Umgehungsstraße zum Messzeitpunkt zweispurig ist, besteht der problematischste Abschnitt immer noch aus einer einzigen Fahrspur in jede Richtung. Diese Diskrepanz bedeutet, dass die tatsächliche Staurate sogar noch höher ist als die offiziellen Zahlen vermuten lassen.
Welleneffekte in Torrevieja und Orihuela Costa
Der tägliche Verkehrskollaps auf der N-332 hat einen Dominoeffekt auf die umliegenden Straßen. Lange Staus sind häufig auf der CV-95 in der Nähe des Kreisverkehrs beim Universitätsklinikum Torrevieja und auf der CV-905, deren Kreisverkehre regelmäßig durch den überzähligen Verkehr verstopft sind.
Andere, früher praktikable Alternativen, wie die Avenida Urbano Arregui und die Avenida Desiderio Rodríguez, sind ebenso überlastet und regelmäßig vom Anwohner- und Pendlerverkehr verstopft. Selbst der Versuch, über Orihuela Costa umzuleiten, führt nun direkt in neue Staus, unter anderem auf der Avenida de los Escorpiones und an der Kreuzung der Avenida de las Olas in Rocío del Mar.
Die einzige Straßenanbindung an Viertel wie Cala Dorada und Rocío del Mar ist an Hochsommertagen praktisch lahmgelegt.
Die Generaldirektion für Verkehr (DGT) gibt seit dem Ende der Pandemie täglich Stauwarnungen für die N-332 zwischen Kilometer 54 und 58 heraus. Diese gelten von 8 Uhr morgens bis weit in den Abend hinein, also durchschnittlich 12 Stunden am Tag, und zwar jeden Tag.
Erweiterungsprojekt: Genehmigt, aber immer noch ins Stocken geraten
Trotz der Krise gibt es noch immer keinen bestätigten Zeitplan für die Lösung des Problems. Das Verkehrsministerium erhielt bereits im Februar 332 die Umweltgenehmigung für ein Projekt zur Verbreiterung der N-2024. Der Plan sieht vor, die Umgehungsstraße zwischen der Anschlussstelle CV-4.47 und der Brücke an der Avenida Rosa Mazón auf einer Länge von 95 Kilometern zu erweitern und in jeder Richtung eine zusätzliche Fahrspur hinzuzufügen. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 55 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Das endgültige Projekt wurde jedoch noch nicht zur öffentlichen Konsultation freigegeben, sodass die Ausschreibung und der Baubeginn noch Monate oder sogar Jahre auf sich warten lassen. Insbesondere wird durch die Verbreiterung ein weiterer wichtiger vier Kilometer langer Abschnitt zwischen der Avenida Rosa Mazón und Alto de la Casilla nicht fertiggestellt, wodurch ein wichtiger Engpass ungelöst bleibt.
Hinter verschlossenen Türen: Politische Hintergrundgeschichte eines ins Stocken geratenen Projekts
Die Stagnation des Projekts war auch von undurchsichtigen politischen Machenschaften geprägt. Ende 2019, kurz vor der COVID-19-Pandemie, traf sich Torreviejas Bürgermeister Eduardo Dolón mit dem damaligen Verkehrsminister José Luis Ábalos, um Fortschritte zu erzielen. Anwesend waren auch ein Berater Dolóns und ein prominenter Geschäftsmann aus Vega Baja, der nach monatelangen formellen Anfragen an der Organisation des Treffens mitgewirkt hatte.
Das Treffen in Madrid dauerte weniger als 30 Minuten und drehte sich nach Angaben von Vertrauten ausschließlich um den Straßenausbau. Später wurde es jedoch kontrovers, als Ábalos' damaliger Berater Koldo García in mehrere Korruptionsermittlungen verwickelt war, in denen es um Schmiergelder und Bestechung bei der Beschaffung öffentlicher Aufträge ging. García wurde in einem Fernsehinterview sogar vom Geschäftsmann Víctor de Aldama beschuldigt, Bürgermeister Dolón bedroht zu haben. Dieser bestreitet diese Anschuldigung entschieden und erklärt, García nie getroffen zu haben.
Während das Treffen damals wenig zur Entlastung des Projekts beitrug, brachte die Umweltgenehmigung Anfang 2024 endlich etwas. Da jedoch weder eine Ausschreibung erfolgte noch ein Baubeginn in Sicht ist, stecken die Einwohner und Besucher von Torrevieja regelmäßig im Stau fest – im wahrsten Sinne des Wortes.












