Wo Ihre alten Kleider WIRKLICH landen
Haben Sie sich jemals gefragt, was eigentlich mit dem alten Hoodie oder der Jeans passiert, die Sie in den Altkleidercontainer werfen? Glauben Sie, dass sie jemandem in Not in Ihrer Nähe helfen? Weit gefehlt. Eine neue Recherche von VOICE Ireland und dem Dublin Hub der Global Shapers hat einen verborgenen, unübersichtlichen und oft beunruhigenden Weg gespendeter Kleidung in Irland aufgedeckt.
Von der Bank ins Ausland
Durch die verdeckte Verfolgung von 23 gespendeten Kleidungsstücken deckte das Team eine erschreckende Realität auf: 95 % der Kleidung werden aus Irland exportiert, und 60 % verlassen die EU vollständig. Innerhalb von zehn Monaten durchquerten diese Kleidungsstücke zwölf Länder – darunter Polen, Pakistan, die Vereinigten Arabischen Emirate und Libyen – und verdeutlichten so die Komplexität und Intransparenz des globalen Handels mit gebrauchter Kleidung.
Und das Endergebnis? Von den erfassten Elementen:
- Nur bei 26 % konnte eine Wiederverwendung bestätigt werden.
- 13 % wurden deponiert oder verbrannt.
- 56 % landeten in einem „unbekannten“ Schwebezustand – in Lagerhallen oder an Orten, die es unmöglich machten, ihr Schicksal zu verfolgen.
Selbst Kleidung in einwandfreiem, wiederverwendbarem Zustand fand selten ein zweites Leben. Von den 22 tragbaren Teilen wurden nur 6 wiederverwendet, und die meisten davon bestanden fast ausschließlich aus Naturfasern. Qualität, Material und Design waren wichtiger als der Zustand des Kleidungsstücks.
Ein beunruhigendes Beispiel
Eine beschädigte Jeans erzählte eine düstere Geschichte. Obwohl sie eindeutig nicht wiederverwendbar war, wurde sie aus der EU nach Togo exportiert, wo sie vermutlich auf dem Müll landete. Dies spiegelt die Berichte der Empfängerländer wider: „Wiederverwendbare“ Lieferungen enthalten oft unbrauchbare Kleidung, sodass die lokalen Gemeinschaften mit riesigen Müllbergen zu kämpfen haben.
Lichtblicke im Chaos
Manche Programme machen es richtig:
- Oxfam Ireland und die M&S Shwopping-Initiative sorgten dafür, dass Kleidung lokal gehalten und tatsächlich wiederverwendet wurde.
- H&M und Looperstextile haben Sendungsverfolgungsartikel wiederverwendet, ohne sie außerhalb der EU zu exportieren.
Andere Unternehmen wie Primark zeigten jedoch die Gefahren intransparenter Systeme auf: Der Großteil ihrer Waren wurde nach Jordanien exportiert, ohne dass klar dokumentiert wurde, was danach geschah.
Ein System ohne Verantwortlichkeit
VOICE deckte massive Transparenzlücken auf: Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, darüber zu berichten, wie viel Kleidung gesammelt, sortiert, exportiert oder wiederverwendet wird. Die Rückverfolgbarkeit ist nahezu inexistent, sodass Irland im Dunkeln tappt, was mit Tausenden Tonnen Kleidung geschieht, die jedes Jahr das Land verlassen.
Das Vertrauen der Öffentlichkeit schwindet rapide. Eine aktuelle Umfrage der EPA ergab, dass 73 % der Iren die Gewissheit haben wollen, dass ihre Spenden nicht in ausländischen Kleiderbergen landen – doch diese Garantie gibt es derzeit nicht.
The Bigger Picture
Die Überproduktion von Fast Fashion ist die Wurzel des Problems. Der Markt wird mit billiger, minderwertiger Kleidung überschwemmt, was die Wiederverwendungssysteme überlastet und riesige Mengen ins Ausland verlagert. Die Verantwortung muss geteilt werden: Produzenten, Einzelhändler, Konsumenten und Recyclingunternehmen spielen alle eine Rolle. Transparenz allein wird die Krise nicht lösen – ein systemweiter Wandel ist nötig.
VOICEs Aufruf zum Handeln
- Obligatorische Meldung für alle Sammler und Exporteure über Mengen, Sortierung, Exporte und Endergebnisse.
- Strenge erweiterte Herstellerverantwortungssysteme zur Abfallvermeidung, Priorisierung der Wiederverwendung und Gewährleistung internationaler Rechenschaftspflicht.
- Investitionen in die lokale Infrastruktur für Sortierung, Wiederverwendung und Recycling, aufbauend auf den derzeitigen Best Practices in Irland.
Mark Sweeney von Oxfam Irland warnt:
„Es mangelt an Verantwortlichkeit seitens der Produzenten, der einzelnen Personen und aller Beteiligten in der Lieferkette.“
Die Botschaft ist klar: Für ein faires und funktionierendes Textilsystem müssen wir in jeder Phase handeln – vom Design und der Produktion bis hin zu Spende und Entsorgung. Bis dahin legen Ihre alten Kleider womöglich längere Strecken zurück und landen in einem schlechteren Zustand, als Sie es sich je vorstellen konnten.
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