Bei der Entgleisung zweier Hochgeschwindigkeitszüge am Sonntagabend in der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba kamen mindestens 39 Menschen ums Leben und mehr als 100 wurden verletzt, 15 davon schwer. Mehrere Fahrgäste waren in den Waggons eingeschlossen. Die Rettungskräfte arbeiten weiterhin intensiv am Unglücksort.

Der Unfall ereignete sich um 7:39 Uhr, als ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke von Málaga nach Madrid die letzten drei Waggons entgleisten. Der Zug, der 317 Fahrgäste beförderte und um 6:40 Uhr in Málaga abgefahren war, geriet auf ein Nachbargleis und kollidierte dort mit einem Renfe-Alvia-Zug in Richtung Huelva. Beide Züge entgleisten daraufhin.

Die entgleisten Iryo-Waggons prallten gegen die ersten beiden Waggons des Renfe-Alvia-Zuges und schleuderten diesen aus den Gleisen. Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente bezeichnete den Aufprall als „furchtbar“ und bestätigte, dass alle Opfer evakuiert worden seien und die offizielle Zahl der Todesopfer derzeit bei 21 liege.

Puente merkte an, dass sowohl das Rollmaterial als auch die Infrastruktur neu seien, was das Rätsel um den Unfall noch verschärfe. „Der Iryo-Zug ist neu, und die Strecke wurde erst im vergangenen Mai saniert. Der Unfall ist äußerst ungewöhnlich – er ereignete sich auf einem geraden Streckenabschnitt“, sagte er. „Die von uns konsultierten Experten sind ratlos, und wir hoffen, dass die Untersuchung den Hergang aufklären wird.“

Der Minister wollte nicht über die Ursache der Entgleisung spekulieren und betonte, es sei noch zu früh, um festzustellen, ob der Fehler mit dem Zug oder den Gleisen zusammenhänge. Er bestätigte, dass der Lokführer des Renfe-Alvia-Zuges zu den Todesopfern gehörte. Eine unabhängige Untersuchungskommission wird den Vorfall untersuchen, doch Puente warnte, dass mit offiziellen Ergebnissen frühestens in einem Monat zu rechnen sei.

Puente sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und wünschte den Verletzten eine rasche Genesung. Er bestätigte, dass er von Anfang an mit dem spanischen Ministerpräsidenten in Kontakt stehe. Er gab bekannt, dass der Zugverkehr zwischen Madrid und Andalusien weiterhin eingestellt bleibe und kündigte an, den Unfallort am frühen Montagmorgen zu besuchen.

Regionale Führungskräfte warnen vor Spekulationen

Kurz nach 1:30 Uhr traf der Präsident der andalusischen Regionalregierung, Juanma Moreno, in Begleitung der regionalen Justiz- und Gesundheitsminister an der Absturzstelle ein. Moreno mahnte zur Vorsicht und betonte, es sei noch zu früh, über die endgültige Opferzahl zu spekulieren. Er äußerte die Hoffnung, dass die Zahl der Toten nicht weiter steigen werde. Gleichzeitig wies er jedoch darauf hin, dass der Zustand mehrerer Waggons äußerst kritisch sei.

Die Rettungsarbeiten werden durch drei Waggons, die einen vier Meter tiefen Abhang hinuntergestürzt sind, erheblich erschwert. Andalusiens Katastrophenschutzminister Antonio Sanz erklärte, der Zugang zu den Waggons sei weiterhin schwierig und warnte, die Zahl der Todesopfer und Schwerverletzten könne steigen, sobald die Rettungskräfte sie erreichen könnten. Die derzeitigen Opferzahlen beinhalten keine möglichen Opfer in den Waggons.

Großangelegte Notfallmaßnahme im Gange

Die Passagiere selbst hatten Alarm geschlagen, woraufhin umgehend ein Großeinsatz der Rettungskräfte ausgelöst wurde. Feuerwehrleute, Angehörige der Guardia Civil, die örtliche Polizei und Rettungskräfte sind weiterhin vor Ort, um die Rettungs- und Bergungsarbeiten fortzusetzen.

Laut Informationen, die von Andalusische PostDer Unfall ereignete sich auf einem Ausweichgleis, das zu Gleis 1 in Adamuz führt, wo der Iryo-Wagen Nr. 6 auf das Nachbargleis geriet. Der Infrastrukturbetreiber Adif bestätigte über seinen offiziellen X-Account, dass der Vorfall die Einstellung des Bahnverkehrs in dem betroffenen Gebiet erforderlich machte.

Konkret entgleiste der Zug LD AV Iryo 6189 auf der Strecke von Málaga nach Puerta de Atocha und geriet auf das benachbarte Gleis, was den Zug LD AV 2384 Puerta de Atocha–Huelva beeinträchtigte, der infolgedessen ebenfalls entgleiste.

Nationale Reaktion

Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach den Familien und Angehörigen der Opfer sein tiefstes Beileid aus und nannte es eine Nacht tiefer Trauer für Spanien. Auch Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der Volkspartei bekundete seine Solidarität und erklärte, die Rettungskräfte arbeiteten unermüdlich daran, die Folgen der Katastrophe so gering wie möglich zu halten.

Die Behörden ermitteln weiterhin das volle Ausmaß der Tragödie, während die Rettungsmaßnahmen andauern und die Untersuchung der Unfallursachen beginnt.

Bilder: Facebook UND X