Häufigeres Zähneputzen kann weit mehr bewirken, als nur Ihr Lächeln zu schützen. Experten zufolge spielt eine gründliche Mundhygiene eine entscheidende Rolle für die allgemeine Gesundheit und kann sogar das Risiko schwerwiegender Erkrankungen wie Demenz und Arthritis verringern.
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass mindestens dreimal tägliches Zähneputzen in Kombination mit regelmäßigen Zahnarztbesuchen das Risiko für über 50 systemische Erkrankungen senken kann. Wissenschaftler erkennen schon lange den Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und allgemeinem Wohlbefinden. Frühere Studien brachten Bakterien, die Zahnfleischerkrankungen verursachen, mit Alzheimer, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten in Verbindung.
Das Thema wurde von einem internationalen Expertengremium auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) hervorgehoben, die letzte Woche in Arizona stattfand. In einer Sitzung mit dem Titel „…“ Der Mund als Tor zur allgemeinen GesundheitProfessor Alpdogan Kantarci von der zahnmedizinischen Fakultät der Universität von Minnesota unterstrich die wachsende Zahl an Belegen.
„Wir gehen mittlerweile davon aus, dass die Erhaltung gesunder Zähne mit einem geringeren Risiko für mehr als 50 systemische Erkrankungen einhergehen kann“, sagte er. „Studien zeigen, dass Menschen mit leichten bis mittelschweren Erkrankungen, die regelmäßig Zähne putzen, ihre Zähne pflegen und professionelle Zahnreinigungen durchführen lassen, deutlich bessere kognitive Leistungen erbringen.“
Kantarci identifizierte Parodontitis – eine aggressive Form der Zahnfleischerkrankung – als einen wichtigen Risikofaktor für Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Demenz. Gelangen Bakterien aus Mundinfektionen in den Blutkreislauf und erreichen das Gehirn, können sie chronische Entzündungen verursachen. Dieser Prozess kann das Immunsystem dazu veranlassen, die Gelenke anzugreifen und die Bildung von Plaques zu beschleunigen, die die Neurotransmitterfunktion beeinträchtigen und so zum kognitiven Abbau beitragen.
Auch wenn die Forscher betonen, dass es keine eindeutigen Beweise dafür gibt, dass Zahnfleischerkrankungen direkt Demenz oder Arthritis verursachen, sind die Zusammenhänge immer schwerer zu ignorieren.
Weltweite Ungleichheiten in der zahnärztlichen Versorgung verkomplizieren das Bild zusätzlich. Laut einer Studie aus dem Jahr 2022 gilt Norwegen als das Land mit dem höchsten Bewusstsein für Zahngesundheit, während Serbien, Lettland und Polen die niedrigsten Werte aufweisen. Die Niederlande führend bei der Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen sind, wohingegen Portugal, Irland und Großbritannien einige der niedrigsten Raten regelmäßiger Kontrolluntersuchungen verzeichnen.
Experten verweisen auf ein komplexes Zusammenspiel sozioökonomischer Faktoren, die diese Versorgungslücken bedingen, darunter hohe Behandlungskosten, lange Wartelisten und eingeschränkter Zugang zu Leistungen. Ältere Menschen sind besonders betroffen: Eurostat-Zahlen aus dem Jahr 2024 zeigen, dass EU-Bürger ab 65 Jahren deutlich häufiger einen ungedeckten Bedarf an zahnärztlicher Versorgung angeben als die 16- bis 44-Jährigen.
Auch Lebensstilfaktoren spielen eine wichtige Rolle. Mit Blick auf die Adipositas-Epidemie in Großbritannien warnte Kantarci davor, dass der starke Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln in der westlichen Welt die Mundgesundheit beeinträchtigt.
„Die Leute gehen davon aus, dass wir einen besseren Zugang zur zahnärztlichen Versorgung haben“, sagte er, „aber die Realität ist, dass verarbeitete Lebensmittel, weiche Kost, Bewegungsmangel und Übergewicht uns anfälliger für eine schlechte Zahngesundheit machen – oft mehr als in anderen Teilen der Welt.“
Die Botschaft der Experten ist eindeutig: Die Zahnpflege ist nicht nur eine kosmetische Angelegenheit, sondern eine wichtige Investition in die langfristige Gesundheit.












